05.27.2014

Klimaschutz im ländlichen Raum durch Nahwärmenetze

Wege für eine erfolgreiche Umsetzung in der Gemeinde

Klimaschutz im ländlichen Raum durch Nahwärmenetze (SHBB Journal 1/2014)

Eine nachhaltige, umweltverträgliche und sichere Energieversorgung ist eines der zentralen kommunalen Themen. Bis 2050 sollen laut Klimaschutzziel in Deutschland und in der EU die Emissionen von Treibhausgasen aus Industrie und Haushalten um mehr als 80 Prozent, die des Verkehrs um etwa 60 Prozent gesenkt werden. Es gibt daher ein verstärktes Interesse der Kommunen, Kreise, des Bundes und der Länder, Versorgungskonzepte auf Basis erneuerbarer Energien aktiv zu gestalten.

Nahwärmenetze ermöglichen den effizienten Einsatz von erneuerbaren Energien aus Solarthermie, Biomethan, Biogas, Erdwärme oder Holz. Gerade für den ländlichen Raum, der heute zu großen Teilen noch vom Heizöl abhängig ist, sind wirtschaftlich tragfähige Nahwärmenetze als preisstabile gemeinschaftliche Wärmeversorgung attraktiv, da sich der Preis für Heizöl in den letzten zehn Jahren verdoppelt hat und somit zur wirtschaftlichen Belastung für die ländliche Bevölkerung geworden ist.

Dem großen Interesse an regionalen Bioenergieprojekten stehen Informationsdefizite und Akzeptanzprobleme gegenüber. „In den vergangenen Jahren hat sich unsere Beratungspraxis grundlegend geändert“, sagt Gerrit Müller-Rüster von der Treurat und Partner Unternehmensberatungsgesellschaft mbH, einer Schwestergesellschaft im Unternehmensverbund der SHBB. Fragen nach einem Ausstieg aus der Heizölversorgung bei gleichzeitiger Reduzierung der Energiekosten, nach möglichst geringen Investitionskosten oder nach den Vorteilen einer Nahwärmenetzlösung stünden bei interessierten Gemeinden ebenso im Vordergrund wie die nach der Erreichbarkeit einer breiten Akzeptanz vor Ort.

Damit ein Nahwärmenetz passgenau geplant und umgesetzt sowie erfolgreich betrieben werden kann, empfehlen sich ein integrierter Betrachtungsansatz, ein dialoggeführter Planungsprozess sowie die in der Praxis bewährte Rechtsform der Bürgerenergiegenossenschaft für den Betrieb.

Integrierter Ansatz im Planungsprozess
Zentraler Baustein eines ökonomisch sinnvollen Wärmenetzes ist eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung. Diese basiert auf einer umfangreichen Untersuchung der örtlichen Besonderheiten und identifiziert mögliche Wärmeverbraucher mit dem Ziel, den zukünftigen Wärmebedarf festzulegen. Damit ein solches Nahwärmenetz sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll betrieben werden kann, braucht es eine hohe Anschlussdichte und sanierte Gebäude.

Alle maßgeblichen Energieverbraucher, wie etwa kommunale Einrichtungen, Gewerbe, Handel, Dienstleistung und private Haushalte, sowie deren Energieeinspar- und Effizienzpotential werden im integrierten Ansatz betrachtet. Darüber hinaus werden sowohl Verbrauchsmengen aus der Vergangenheit festgestellt und zukünftige Verbrauchsmengen ermittelt als auch Entwicklungsperspektiven des Nahwärmeversorgungsgebietes miteinbezogen.

Klimaschutz im ländlichen Raum durch Nahwärmenetze - SHBB Jornal 1_2014 (Foto_ Marcel Mayer)

Durch die umfangreiche Evaluierung des Vorsorgungsgebietes liegt schließlich ein umfassendes Klimaschutzkonzept mit einer CO2- Bilanz vor, die einen Katalog mit verschiedenen Vorschlägen für energetische Maßnahmen beinhaltet und deren Auswirkungen auf die Realisierung eines Nahwärmenetzes bewertet.

Bürgerdialog – weniger Kosten für den Einzelnen
Der gesamte Planungsprozess sollte durch eine kontinuierliche Bürgerbeteiligung begleitet werden. Zukünftige Wärmeabnehmer werden so bereits in den Entscheidungsfindungsprozess eingebunden. Begünstigend für die Akzeptanz vor Ort wirken etwa positive Aussagen über künftige Versorgungssicherheit und dass eine zentrale Energieversorgung die Kosten für Wärme von Wohnungseigentümern bei der Umstellung ihres Gebäudes auf erneuerbare Energien merklich und langfristig senkt. Ein Bürgerdialog in Form von Workshops kann hier ein größtmögliches Maß an Akzeptanz für die Maßnahmen bei den Beteiligten entwickeln. Nahwärmeversorgung in Bürgerhand: Rechtsform der Genossenschaft Die Umsetzung eines Nahwärmenetzes beginnt mit der Gründung der Betreibergesellschaft. Die Praxis zeigt, dass in der jüngsten Vergangenheit erfolgreich Nahwärmenetze zum überwiegenden Teil in der Rechtsform kleinerer Gemeindewerke oder Bürgerenergiegenossenschaften gegründet wurden.

Investitionen durch ein Gemeindewerk sind wegen mangelnder finanzieller Ausstattungen oder haushaltsrechtlicher Beschränkungen nicht in jeder Gemeinde möglich. In diesen Fällen bietet sich an, die Nahwärmeversorgung in Bürgerhand zu organisieren. Als Rechtsform hat die Bürgerenergiegenossenschaft einige Vorteile. Der Einund Austritt ist ohne besondere formale Anforderungen möglich. Zudem bekommen Mitglieder einer Genossenschaft bei einem Ausscheiden nur ihr eingezahltes Geschäftsguthaben ausgezahlt, stille Reserven verbleiben in der Genossenschaft. Die Genossenschaft sieht außerdem eine auf den Genossenschaftsanteil beschränkte Haftung der Mitglieder vor, zudem verhindert das Prinzip „ein Mitglied, eine Stimme“, dass kleine von großen Verbrauchern überstimmt werden können.

Die Öffnung der Betreiberstruktur für eine Bürgerbeteiligung durch die Wahl einer Genossenschaft führt zu einer dauerhaften Akzeptanz, die die Betriebsphase sichert. Die Mitglieder können die Betriebsergebnisse der Bürgerenergiegenossenschaft überprüfen und hinterfragen.

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